Die Situation von blinden und sehbehinderten Menschen in Europa im Bezug auf die Teilnahme an der modernen Wissensgesellschaft, die sich in immer stärkerem Ausmaß über e-learning Anwendungen definiert bzw. erweitert, ist nach wie vor alarmierend und nicht zufrieden stellend. Es gibt derzeit zu wenig brauchbare und gleichzeitig leistbare Angebote von Hilfsmitteln für die Bearbeitung von IT-basierten Elementen und Programmen für diese Zielgruppe. Gerade auch vor dem Hintergrund sinkender Sozialausgaben in den einzelnen europäischen Ländern und einer generell schwierigen Situation dieser Zielgruppe in den neuen Mitgliedsstaaten bzw. zukünftigen Beitrittsländern besteht aus unserer Sicht dringender Handlungsbedarf was die Entwicklung der digitalen Kompetenz bei blinden und sehbehinderten Menschen betrifft.
Ein besonders wichtiges Element im Bezug auf die Entwicklung von digitaler Kompetenz bei dieser Zielgruppe sind Bildschirmausleseprogramme, die den Bildschirm in auditiver Fassung wiedergeben und den blinden und sehbehinderten Menschen helfen, Bildschirminhalte zu verstehen und zu erfassen. Derzeit sind unterschiedliche Versionen und Systeme am Markt, die gemeinsam folgende Merkmale „auszeichnen“:
- hohe Kosten der Software
- schlecht adaptierte Länderversionen (einzelne Begriffe werden nicht entsprechend wiedergegeben)
- schlechte Anpassungsfähigkeit an neue Betriebssysteme
Der Screenreader, welcher prinzipiell schon funktionsfähig zur Verfügung steht, wird in einem ersten Projektschritt den einzelnen Projektpartnern aus den unterschiedlichen Partnerländern zu einem intensiven Zielgruppen Pre-test zur Verfügung gestellt. Auf einem einheitlichen Bewertungsprotokoll werden notwendige Adaptierungen und länderspezifische Anmerkungen gemacht, welche von einer Partnereinrichtung in den Programmcode des Screenreaders eingearbeitet werden. Gleichzeitig wird eine Tutorenausbildung entwickelt, die blinde und sehbehinderte Menschen in die Lage versetzt als Tutoren für den neuen Screenreader in den einzelnen Ländern tätig zu sein und die Zielgruppe beim Einsatz des Screenreaders zu unterstützen. Um eine hohe Relevanz für die einzelnen Partnerländer zu erzeugen wird der Screenreader sowie alle begleitenden Texte und Tools in die jeweiligen Partnersprachen übersetzt.
Während die zukünftigen Tutoren im Rahmen einer e-learning basierten Applikation sowie im Rahmen eines gemeinsamen Face to Face Tutorentreffens ausgebildet werden, wird eine große und breite Informationskampagne zum Screenreader unter Einbeziehung sämtlicher Netzwerke und Zielgruppenverbände gestartet. Zu Projektabschluss ist es das Ziel den Screenreader und seine begleitenden Instrumente und Tools möglichst breit in Europa einzusetzen und blinden und sehbehinderten Menschen die erste kostenlose Möglichkeit zu geben, am e-Europa entsprechend zu partizipieren.
Projektziel
Das zentrale Thema des Projektes DICOMP-S.NET ist die Förderung von digitaler Kompetenz bei der Zielgruppe der blinden und sehbehinderten Menschen in Europa. Das Projekt soll ein Verbreitungsnetzwerk zur Verbreitung und Nutzung eines kostenlosen Bildschirmausleseprogramms (Screenreader) für blinde und sehbehinderte Menschen entwickeln. Schaffung von digitaler Kompetenz von blinden und sehbehinderten Menschen ist das Hauptziel des Projektes.
Ergebnisse
Kostenloser Screenreader in allen Partnersprachen inklusive aller Begleitdokumente (Menüführung, Hilfetexte, Manuals)
Tutorenausbildung für blinde und sehbehinderte Menschen für den Screenreader, teilweise über eine e-learning Applikation laufend
Informationsveranstaltungen national
Roadshows national für den Screenreader
nternationale Konferenz und Symposium